Soll man nun trauern, ob des verpassten Gesamtsieges oder aufgrund der beiden Podestplätze in Jubel ausbrechen?

So genau weiß das im Augenblick wohl keiner beim Deutschen Skiverband zu sagen, noch schwangt man zwischen den Gefühlen hin und her.

Doch wenn man mal genauer auf die Platzierungen der deutschen Springer bei der diesmaligen Vierschanzentournee schaut, erkennt

man schnell das beste Resultat für die DSV-Springer seit dem Winter 1990/1991, der ersten Saison nach der Wiedervereinigung. Damals konnte Jens Weißflog den Gesamtsieg holen und Dieter Thoma landete am Ende auf Platz drei.

Dieses Mal gab es zwar keinen Gesamtsieg zu feiern, aber dann doch den zweiten und auch den dritte Platz in der Gesamtwertung, Markus Eisenbichler und auch Stephan Leyhe hatten es beide überraschend auf das Podest geschafft und waren selber über ihren Erfolg mehr als nur zufrieden.

Den ganz großen Sprung hat dann aber gerade Eisenbichler leider verpasst. Auch wenn der Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi eine grandiose Leistung zeigte, hätte der Deutsche Springer mit weniger eigenen Fehlern dem Japaner den Sieg doch noch streitig machen können. Insbesondere in Innsbruck hatte Eisenbichler nicht seinen besten Tag erwischt, wodurch sich sein zuvor nur sehr knapper Rückstand deutlich vergrößerte.

Glanz und Schatten lagen also bei dieser Vierschanzentournee für das deutsche Team ganz dicht beisammen, obwohl man sich dann nach Abschluss der vier Stationen doch ein wenig im Glanze der doch recht ansehlichen Gesamtwertung gesonnt hat.

Ein großen Anteil an der Leistung des DSV-Teams hatte auch der scheidene Bundestrainer Werner Schuster, welcher die deutschen Springer in den letzten Jahren wieder in die Weltspitze zurückgeholt hatte.

Werner Schuster - Creative Commons photo Tadeusz Mieczyński

Schuster, der wahrscheinlich nach Abschluss der Saison zum österreichischen Team wechseln wird, kann nach11 Jahren beim DSV auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken, und auch das deutsche Skipringen ist für den Rest der Saison gut aufgestellt und kann der im Februar im österreichischen Seefeld startenden Weltmeisterschaft mit Spannung und Vorfreude entgegen schauen.

Für die unmittelbare Zukunft braucht man beim deutschen Skisprung-Team also keine Sorgen zu haben und auch der bisherige Überflieger der Saison, der Japaner Kobayashi, ist nicht unschlagbar. Das Interessante beim Skispringen der letzten Jahre ist die Abwechslung, wenige Athleten springen konstant an die Spitze und die Vierschanzentournee hat in den letzten 3 Jahren auch jeweils ein anderer Springer dominiert. Welcher dann zum Teil in der darauffolgenden Saison gegen ein plötzliches Formtief ankämpfen musste.

Von daher bleibt dieser faszinierende Wettbewerb auch in dieser Saison spannend, auch wenn Kobayashi im Weltcup bereits eine mehr als ordentliche Führung herausspringen konnte. Aber bei spätestens bei der Weltmeisterschaft werden die Karten wieder neu gemischt und auf einmal könnten ganz andere Springer im Rampenlicht stehen. Und vielleicht ist es ja dann auch wieder einmal einer der deutschen Adler, der am längsten in der Luft schwebt und am weitesten in Tal gesegelt kommt.