Der deutsche Fußball befindet sich in einer Krise. Egal ob Nationalmannschaft oder auf Club Ebene ist dies derzeit abzulesen. Das frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der letzten Weltmeisterschaft und der Abstieg aus der Nations League hat sich bereits lange vorher angedeutet.

Die Ergebnisse des Teams um Jogi Löw im Vorfeld der WM waren alles andere als gut. Das Auftreten der Mannschaft, die fehlende Schnelligkeit im Spiel und das lustlose agieren der deutschen Stars waren für alle deutschen Fans sichtbar. Das Ausscheiden beim Wordcup konnte dementsprechend auch niemanden wirklich verwundern.

Die Affäre um Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich im Vorfeld der WM mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan ablichten ließen, tat ihr übriges und brachte sehr viel Unruhe ins deutsche Umfeld.

Jogi Löw setzte bei der WM überwiegend auf seine verbliebenen Weltmeister von 2014 obwohl die junge Generation an Nationalspielern im Jahr zuvor in Russland den Confed Cup auf überragende Weise geholt hat. Den unter Pep Guardiola gereiften Leroy Sane, der in der Premier League eine fantastische Saison gespielt hat, ließ Löw bei der WM ebenfalls zuhause.

Die Mannschaft wirkte vor, während und auch nach der Weltmeisterschaft nicht wie eine verschworene Gruppe mit unbedingten Erfolgswillen, so wie er 2014 in Brasilien in jedem Spiel zu sehen war.

Die Taktik des Ballbesitz Fußballs, die die Nationalmannschaft in den Jahren zuvor nahezu unschlagbar machten, wurde durch die anderen Teams durchschaut und durch entsprechende Gegentaktiken, nämlich mit schnellem Umschaltspiel bei Ballgewinn, durchkreuzt.

Das Trainerteam, der Teammanager und der Verband sowie die einzelnen Spieler gaben nach dem Ausscheiden bei der WM keine gute Figur ab. Es wurden kaum kritische Interviews gegeben und man hat das historische frühe Ausscheiden kaum versucht aufzuarbeiten.

Die Verantwortlichen beim DFB blieben nahezu alle im Amt. Außer ein paar wenigen Spielerrücktritten hat sich zunächst an der Teamstruktur nicht viel verändert. Dies rächte sich Wochen später beim Abstieg aus der Nations League mit weiteren schlechten Ergebnissen.

Vor einigen Tagen kam dann die Nachricht das Jogi Löw nicht mehr mit den Bayern Stars Müller, Boateng und Hummels plant. Vielmehr wolle Löw den längst überfälligen Umbruch einleiten. Allerdings sind der Zeitpunkt und die Art und Weise wie das Ganze abgelaufen ist auch sehr fraglich.

Am kommenden Wochenende stehen für die Nationalmannschaft zwei Spiele an, die zeigen werden, ob Löw den Umbruch noch managen kann, oder ob man auch auf der Trainerposition handeln müsste.

Die schlechten Leistungen der Nationalmannschaft haben sich denn auch auf die Bundesliga und die internationalen Wettbewerbe dort übertragen. Das frühe Ausscheiden aller deutschen Champions League Teilnehmer, einschließlich des deutschen Branchenprimus FC Bayer München, spricht Bände.

Im Achtelfinale der Champions League sind alle drei deutschen Mannschaften an der starken Premier League gescheitert. Es ist die Art und Weise wie die Mannschaften den englischen Vereinen unterlegen waren, was einen nachdenklich werden lässt.

Wenig Tempo und wenige Ideen im Vergleich mit den Engländern zeigen die derzeitigen Schwächen im deutschen Fußball schonungslos auf.

Eine Ausnahme hierbei bildet die Eintracht aus Frankfurt, die eine furiose Europa League Saison spielt, mit beeindruckenden Ergebnissen.

Am fehlenden Nachwuchs in Deutschland liegt es nicht, dass die Deutschen Vereine derzeit nicht konkurrenzfähig sind. Talente gibt es in Deutschland zuhauf. Allerdings scheint es ein Problem zu geben die Jungen Spieler in die Bundesliga Mannschaften zu integrieren.

Der permanente Erfolgsdruck, der auf den Vereinen lastet, um die europäischen Wettbewerbe zu erreichen, um dort dringend benötigte Einnahmen zu generieren, verhindert das Einbauen der jugendlichen Talente in den laufenden Spielbetrieb.

Dies jedoch, scheint mir im Vergleich zu 2004, als im deutschen Fußball auch ein Umbruch eingeleitet werden musste, als es nahezu keine nennenswerten deutschen Talente gab, ein Luxusproblem zu sein.

Gruß

Tomtheone