Keine Ahnung, was ich zuerst gedacht hatte, als ich diese Woche die Nachrichten über eine meiner Lieblings-Fußballmannschaften sah. Irgendwie fühlte es sich zunächst wie ein (schlechter) Witz an, wie ein Déjà vu, irgendwie total unwirklich.

Nachdem ich mir kurz die Augen und die Stirn gewischt hatte schaute ich ganz vorsichtig wieder auf den Bildschirm, in der Hoffnung, dass sich die Worte verändert hätten. Aber die Nachricht war immer noch da, ich hatte mich nicht geirrt und leider kam mir das alle so ganz und gar nicht neu vor.

Hamburger SV feuert Trainer !

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der völlig verwirrt und sprachlos war, aber gleichzeitig zuckte ich dann auch nur noch mit meinen Schultern, völlig emotionslos.

Volksparkstadion (source)

Wenn ihr dem HSV in den letzten zehn Jahren gefolgt seit, ist diese Nachricht nichts, woran ihr nicht schon lange gewöhnt wärt.

Seit 2008 hat der HSV, der ja bekanntermaßen zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehört und in diesem Sommer zum ersten Mal in seiner Geschichte -leider aber wohl verdientermaßen- in die 2. Bundesliga abgestiegen ist, 16 Trainer verschlissen. Bruno Labbadia wurde sogar zweimal von den Hamburgern entlassen, Rodolfo Cardoso übernahm den Job zweimal interimsmäßig.

Das ist schon eine ganz ordentliche Leistung, aber wenn man jetzt denkt, neue Besen kehren besser, wurde man natürlich beim HSV ganz schnell eines Besseren belehrt.

Die Performance blieb inakzeptabel, Leistungssteigerungen waren nur sporadisch und von ganz kurzer Dauer. Heilsbringer und Hoffnungsschimmer hielten nie, was sie versprachen und verschwanden schnell.

Eigentlich war es ein Wunder, dass der HSV nicht schon früher in die 2. Bundesliga abgestiegen ist, mehrere Male wurde man erst am letzten Spieltag gerettet.

Jetzt also auch in Liga 2, in der man zur Zeit auf dem 5. Tabellenplatz steht und nur 2 Punkte Rückstand auf den Führenden hat. Eigentlich eine komfortable Ausgangsposition, wenn da nicht die letzten Spiele gewesen wären. Die Tendenz zeigt nach unten, aber wenn man sich die letzten 7 Monate anschaut, in denen Christian Titz die Manschaft trainierte, muss man ihm auf jeden Fall bescheinigen, endlich Ruhe in das Team gebracht zu haben. Seine Arbeit hat trotz mehrerer Rückschläge gute Ansätze gezeigt und es schien, und man war grundsätzlich der Meinung, der HSV wäre sportlich auf dem richtigen Weg.

Wenn da nur nicht der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Anspruch und Realität wären. Die Vereinsoberen in der Hansestadt denken auch jetzt noch, ihr Verein wäre zu Höherem berufen und der Abstieg nur eine unangenehmer Ausrutscher gewesen. Deshalb war Christian Titz's Leistung angeblich nicht gut genug, und jetzt soll es der nächste richten.

Der neue Coach ist auch schon angeheuert, Hannes Wolf betreut seit 23. Oktober die Hamburger und soll das Projekt Wiederaufstieg betreuen.

Hannes Wolf (source)

Auch wenn ich dem ganzen Trauerspiel nur ungläubig zuschaue, drücke ich ihm natürlich die Daumen und hoffe, dass er sich länger als seine Vorgänger auf diesem Schleudersitz halten kann. Zu Wünschen wäre es ihm und vor allem dem Verein. Nicht unbedingt den Bossen aber auf jeden Fall den Fans, die immer wieder ohnmächtig mit anschauen müssen, wie ihr Lieblingsverein immer mehr heruntergewirtschaftet wird. Wenn nicht bald ein Umsteuern erfolgt, kann es leicht passieren, dass man für eine lange Zeit in der Zweitklassigkeit versinkt. Und mit den Jahren wird es nur schwieriger, wieder erstklassig zu spielen.

Nachdem ich diese Worte losgeworden bin, bin ich schon viel ruhiger und kann über die ganze Geschichte sogar schon lachen. Als HSV-Fan ist einem die letzten Jahren auch nur noch der Galgenhumor geblieben.


Hier noch einmal die Liste der Trainer der letzten 10 Jahre, welche ich praktischerweise bei ran.de gefunden habe. In der chronologischen Reihenfolge belegt der neue Trainer Hannes Wolf Postition Nummer 19.

Also dann, zum genießen...

1. Huub Stevens (2. Februar 2007 bis 30. Juni 2008)

2. Martin Jol (1. Juli 2008 bis 26. Mai 2009)

3. Bruno Labbadia (1. Juli 2009 bis 26. April 2010)

4. Ricardo Moniz (26. April 2010 bis 23. Mai 2010)

5. Armin Veh (24. Mai 2010 bis 13. März 2011)

6. Michael Oenning (13. März 2011 bis 19. September 2011)

7. Rodolfo Cardoso (19. September 2011 bis 10. Oktober 2011)

8. Frank Arnesen (10. Oktober 2011 bis 16. Oktober 2011)

9. Thorsten Fink (17. Oktober 2011 bis 17. September 2013)

10. Rodolfo Cardoso (17. September 2013 bis 24. September 2013)

11. Bert van Marwijk (25. September 2013 bis 15. Februar 2014)

12. Mirko Slomka (16. Februar 2014 bis 15. September 2014)

13. Joe Zinnbauer (16. September 2014 bis 22. März 2015)

14. Peter Knäbel (ab 23. März 2015 bis 14. April 2015)

15. Bruno Labbadia (15. April 2015 bis 25. September 2016)

16. Markus Gisdol (25. September 2016 bis 21. Januar 2018)

17. Bernd Hollerbach (22. Januar bis 12. März 2018)

18. Christian Titz (12. März bis 23. Oktober 2018)

19. Hannes Wolf (seit 23. Oktober 2018)

Und, schon schwindelig? Kann ich gut verstehen!

Das Jahr 2018 ist auch noch nicht zu Ende, da geht vielleicht sogar noch mehr. Lehnen wir uns zurück uns warten wir es ab.