Letzte Woche im ersten Teil dieses Artikels habe ich mir die Frage gestellt, ob Baseball oder Fußball hier in Japan die Sportart Nummer eins ist. Ich habe berichtet, wie Baseball es ins Land geschafft hat und auf der ganzen Insel beliebt wurde. Heute werde ich über Fußball sprechen und wie er sich in den letzten Jahrzehnten hier entwickelt hat.


Auch Fußball (サッカー sakka) hat es bereits früh ins Kaiserreich geschafft, hat es aber in der Anfangszeit nicht über einen Universitätssport hinaus geschafft. Nach den Olympischen Spielen in Tokio im Jahre 1964 begann dann aber auch hier der große Siegeszug. Mit dem deutschen Dettmar Cramer als Sportdirektor gelang der japanische Auswahl sogar ein 3:2 Sieg gegen die favorisierten Argentinier. Und beim nächsten Turnier 1968 in Mexiko war es dann sogar schon die Bronzemedaille. Für die Nationalmannschaft der Männer ging es seitdem auf eine sportliche Achterbahnfahrt, die gesteckten Ziele konnten insbesondere bei den letzten Weltmeisterschaften nicht immer erreicht werden.

Die Frauen dagegen waren umso erfolgreicher, was 2011 der Gewinn der WM eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nach den großen Zerstörungen durch das Erdbeben und den darauf folgenden Tsunami war das natürlich Balsam auf die Seele eines geschundenen Landes.

Im Vereinsfußball ging es Jahrzehnte lang eher halbprofessionell daher, bis dann endlich im Jahre 1992 die J-League gegründet wurde.

Die japanische Profiliga nahm dann im Jahre 1993 ihren Spielbetrieb auf und hatte gleich zum Anfang eine erste Hochphase, in der sie sogar deutsche Starts wie Pierre Littbarski und Guido Buchwald in das Land der aufgehenden Sonne locken konnte.

Der ganz große Höhepunkt war dann aber eigentlich die Weltmeisterschaft 2002, welche Japan zusammen mit Südkorea als erstes asiatische Land ausrichten durfte.

Dem ganzen Land war plötzlich von allen Seiten Fußballfieber verordnet worden und die großen Stars der großen aber doch so fernen Arenen waren plötzlich zum Anfassen nah. Der Rest der Welt war dann auch begeistert von der Begeisterungsfähigkeit und Gastfreundlichkeit der Japaner. Die Gastgeber beendeten ihre Gruppe dann sogar als Gruppensieger, mussten aber schließlich im Achtelfinale gegen die Türkei den Kürzeren ziehen. Trotzdem ein Achtungserfolg und ein stimulierender Event, der „dem“ Fußball einen weiteren, ganz wichtigen Schub gegeben hatte.

Die letzten Jahre waren nationalmannschaftstechnisch dann leider nicht ganz so berauschend und man blieb meistens hinten den eigenen Zielen zurück. Besonders die WM in Brasilien mit dem letzten Platz in den Gruppenspielen hat am Selbstbewusstsein gezehrt.

Dem Fußballenthusiasmus im Lande hat das dann aber keineswegs geschadet. Die berühmten Ligen Westeuropas sind auch hier das große Vorbild und immer mehr japanische Profispieler haben es geschafft, sich sogar in der deutschen Bundesliga zu etablieren.

Die Lauf- und Leidensbereitschaft und auch das spielerische Verständnis der Japaner werden von vielen Trainern und Vereinen zu Recht sehr geschätzt.

Shinji Kagawa ist für jeden Fußballbegeisterten in Japan und auch in Deutschland ein Begriff, und sein anhaltender Erfolg trägt viel zum sehr positiven Image der Bundesliga im Lande bei.

Und das jetzt sogar Lukas Podolski bei Vissel Kobe seine erfolgreiche Karriere ausklingen lässt, bringt die beiden Fußballnationen Deutschland und Japan dann noch ein bisschen näher. Ich hoffe, er wird noch ein paar Jahre hier bei uns auf der Insel bleiben.

Aber zurück zur Eingangsfrage, was zieht denn nun mehr?

Diese Frage ist wahrscheinlich sehr schwierig zu beantworten. Historisch gesehen, ist Baseball ganz klar die Nummer ein. Auch bei der Zahl der aktiven (und auch der inaktiven) Spieler wird Baseball als Sieger hervorgehen.

Beide Sportarten, Fußball als auch Baseball sehen wohl keiner dunklen Zukunft entgegen. Die Zahlen der Aktiven sehen stabil aus, und die in der MLB aktiven Baseballer oder die in den großen europäischen Ligen tätigen Fußballspieler tragen erheblich zu dieser positiven Stimmung bei.

Aber gerade in der letzten Zeit hat der Fußball viel Rückstand wettmachen können und wenn man an die Schulen schaut, an denen bereits die Spieler der Zukunft trainieren, kann man heutzutage eine Kopf-an-Kopf-Rennen beobachten.

Nicht nur die Jungs, auch viele Mädchen haben sich von den Erfolgen der „Nadeshiko Japan“, dem japanischen Frauenteam anstecken und motivieren lassen. Durch ihren Weltmeistercoup 2011 sind sie den „Samurai Blue“, dem Männerteam, einen riesigen Schritt voraus.

Meinen eigenen, sehr subjektiven Beobachtungen nach, könnte Fußball dem Baseball hier zumindest in Sachen Aktiver bald den Rank ablaufen. Immer mehr Jungs und Mädchen zieht es in die vielen Mannschaften, die es an allen High Schools und Junior High Schools im ganzen Land gibt. Viele dieser jungen Spieler und Spielerinnen möchten ihren Lieblingssport dann auch noch an der Universität ausüben, sofern man Sport und Studium einigermaßen verbinden kann.

Und auch bei den Fans hat Fußball ordentlich aufgeholt, auch wenn es in der nun J1 genannten J-League nicht immer ausverkaufte Stadien zu bewundern gibt.

Das Bild links zeigt Anhänger der Urawa Reds, die zu den lautestens und sichtbarsten Fans in Japan zählen.

Aber auch wenn die einheimische Liga dann nicht interessant und aufregend genug ist, kann schnell Abhilfe geschaffen werden.

Denn solange man über Kabelfernsehen verfügt, hat man natürlich die Möglichkeit sich die Spiele der europäischen Ligen und damit die auch hier im Lande bewunderten Fußballstars auf den eigenen heimischen Bildschirm holen.

Für viele ist das oft auch interessanter als die eigene Liga, obwohl man dies natürlich nicht allzu laut sagen würde.

Stolz trifft Wehmut.